Ampfer mit alternativen Technologien bekämpfen

Ampfer mit alternativen Technologien bekämpfen

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Der „Staatsfeind Nr. 1“ der Grünlandwirte war und ist gebietsweise der Stumpfblättrige Ampfer. Ihn in den Griff zu bekommen, erfordert ganzheitliche Strategien und Konsequenz in deren Umsetzung.
Der Ampfer ist ein Lichtkeimer und ein ausgesprochen aggressiver Lückenfüller. Einmal im Bestand etabliert, ist er nur schwierig zu bekämpfen. Die kräftige Pfahlwurzel und die widerstandsfähigen Samen (sie überleben den Verdauungstrakt der Wiederkäuer, die Samen sind z.T. über 80 Jahre lang keimfähig) sichern der Pflanze ihr Bestehen – in allen unterschiedlichen Grünlandnutzungsformen und Ackerkulturen.

Zur Bekämpfung ist in Österreich auf integriert wirtschaftende Betrieben die Punktbekämpfung mittels Rückenspritze Standard oder bei extremem Besatz die Flächenspritzung gängig. Auf biologisch wirtschaftenden Betrieben ist das manuelle und mühsame Ausstechen der Ampferpflanzen verbreitet. Immer wieder tun sich neue Technologien auf. Wir haben uns zwei davon bei einer Praxisvorführung im Ringgebiet Pyhrn-Eisenwurzen am 27. Mai 2022 näher angesehen.

1. RumboJet im Praxistest

In Deutschland ist die Flächenspritzung mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln gegen Ampfer neuerdings verboten, weshalb findige Tüftler Alternativen entwickelt haben. Eine neue Technologie ist die Einzelpflanzenbekämpfung mit dem RumboJet der Firma Allgäu Automation. Mittels Kameras wird der Ampfer detektiert und unmittelbar danach durch Einzeldüseneinschaltung mit einem Pflanzenschutzmittel benetzt (in unserem Fall wurde Harmony SX in der empfohlenen Aufwandmenge verwendet).

RumboJet in der Ampferbekämpfung: Die Technik funktioniert!

Die Fahrgeschwindigkeit mit dem Gerät betrug rund 8 km/h, und damit ist eine Flächenleistung von rund 5 bis 6 ha je Stunde realistisch. Die Trefferquote liegt laut Hersteller bei rund 90 %, was auch im Praxiseinsatz ungefähr erreicht wurde. Der Grünlandbestand war am Tag der Vorführung, dem 27. Mai 2022 ca. drei Wochen alt. Zu diesem Zeitpunkt war der Löwenzahn auch schon weit entwickelt, weshalb die bereits großen Löwenzahnblätter auch teilweise als Ampferblatt erkannt wurden und somit besprüht wurden. In einem zwei Wochen alten Bestand auf einer anderen Fläche in der Nähe trat dieses Problem nicht auf. Der Planenaufbau ist laut Hersteller für ihre Technik erforderlich, um für konstante Lichtverhältnisse für die Erkennung des Ampfers mittels Kameras zu sorgen. Ein positiver Nebeneffekt: Die Planen schützen vor Windeinflüssen und es kann auch bei Wind zielgenau behandelt werden. Die Kosten der Maschine belaufen sich derzeit auf rund 45.000 € netto.

Rund zwei Wochen nach der Anwendung, am 9. Juni sind die Erfolge sichtbar und die Ampferpflanzen vergilben Großteils bereits.

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2. Heißdampfinjektion als Alternative zum händischen Ausstechen

Als zweite Technik wurde die Bekämpfung mittels Heißdampfinjektion durch eine Stechlanze vorgeführt. Diese biotaugliche Alternative ist ergonomischer als das Ausstechen per Hand, allerdings muss auch jede einzelne Pflanze manuell bekämpft werden. Das Heißdampfgerät der Firma Keckex inklusive Zubehör wird mittels Autoanhänger transportiert. Zum Verdampfen des Wassers kommt ein Dieselaggregat zum Einsatz. Mittels 20 Meter langem Schlauch können rund 1.200 m² auf Ampfer kontrolliert werden, ehe das Gerät umgestellt werden muss. Mehrmaliges Einstechen von mehreren Seiten ist vor allem bei älteren Ampferpflanzen mit ausgeprägtem Wurzelsystem laut erfahrenem Praktiker empfehlenswert.

Wenige Minuten nach der Heißdampfinjektion erschlaffen die Blätter der Ampferpflanzen – sie sind sichtlich geschädigt.
Rund zwei Wochen nach der Anwendung stellen sich die Ergebnisse wie folgt dar: Es wurden nicht nur der Ampfer, sondern auch der Pflanzenbestand rundherum geschädigt. Es sind Lücken entstanden, die jedenfalls nachgesät werden sollten. Auch der Ampfer trieb auf dieser Vorführfläche zu einem großen Anteil wieder nach. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich um alte Ampferpflanzen (4 oder mehr Jahre alte) handelt, die nicht nur eine Pfahlwurzel, sondern mehrere Seiten- und Senkerwurzeln haben, was die Bekämpfung entsprechend erschwert.

Laut einer Schweizer Untersuchung ist für den Erfolg der Heißdampf-Behandlung vor allem auch die Bodenfeuchte entscheidend: Je nässer der Boden, umso länger muss die Behandlungszeit für denselben Bekämpfungserfolg sein. Die Schweizer kommen mit ihrer Untersuchung bei 2.000 Ampferpflanzen je ha und einer Bodenfeuchte von 30 % auf einen Wasserverbrauch von über 4.000 Liter Wasser und einen Dieselverbrauch von mehr als 90 Liter je ha, was nicht zuletzt logistisch und kostentechnisch eine Herausforderung ist.

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