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Berater und Selbermacher

Berater und Selbermacher

Berater und Selbermacher 768 768 Maschinenring Blog Oberösterreich

Das junge Paar, Carina und Martin, hat sich den Traum der Selbstständigkeit verwirklicht. Die Mastställe am Hühnerhof sind so neu wie die Begeisterung der Jungbauern. Sie haben Carinas elterlichen Betrieb reaktiviert.

Ein warmes Gefühl beim Betreten des Technikraums, sanftes Piepen in den Ohren und eine kleine Küchenzeile mit Kühlschrank und einer gemütlichen Holzgarnitur, seitlich davon jeweils ein großes Panoramafenster mit Blick auf die drei Tage jungen Küken im rechten Stallabteil und im linken die größeren Hühner. So sieht der neu geschaffene Arbeitsplatz von Carina und Martin Wiesinger aus Gaspoltshofen aus.

Was hat euch bewegt, den bereits verpachteten Hof wiederzubeleben?

Martin: Ich habe bei einer Aufstallungsfirma den Verkauf gemacht und gesehen, dass mir so ein Hühnerstall gar nicht so schlecht gefallen würde. Wir wollten etwas, wo es nicht zu viel davon am Markt gibt und wir nicht zu viel angehängt sind. Bei den Masthendln kann man sich die Arbeit schon sehr gut selbst einteilen. Wir haben dann 2018 den ersten Stall gebaut. 2020 habe ich dann in der Arbeit aufgehört und einen zweiten Stall in gleicher Ausführung ergänzt.

Das klingt so einfach… Gehört da viel Mut dazu?

Martin: Wenn man alte, aber noch funktionierende Stallungen, wie einen Schweinestall oder Kuhstall vorgegeben hat, tut man sich oft schwer, dass man diese auflässt. Das hatten wir aber nicht. Anfangs war bei uns das Haus mit der Werkstatt, dem Stadl und der Hütte da. Wir mussten sowieso neu beginnen und haben dann die zwei Ställe dazu gebaut. Dann kam die Pachtung des elterlichen Grunds und ab Ende 2021 die Hofübernahme.

Hat es eine große Herausforderung beim Bau gegeben?

Es ist wirklich alles sehr reibungslos abgelaufen. Nach circa vier Monaten haben wir die ersten Küken eingestellt. Klar, die Investitionen schreckten uns schon anfangs und ein paar Kleinigkeiten gibt es immer, die nicht so geplant waren. Aber es ging auch bei der Einreichung des Projekts bei der Gemeinde und den Nachbarn alles ohne größere Probleme. Generell gibt es in unserer Gemeinde schon Geflügelbetriebe. Die beiden Ställe sind mit 19.200 Hühnern voll und trotzdem gibt es dank des trockenen Bodens durch die Fußbodenheizung keine große Geruchsbelästigung.

Ihr geht beide nebenbei arbeiten. Wie geht sich das aus?

Carina: Wir sind beide sehr gern Landwirte, können uns die Stallarbeit bzw. Kontrolle der Technik und das Beobachten der Tiere morgens und abends selbst einteilen. Aber wir wollten dennoch unsere Arbeit nicht sofort aufgeben. Deshalb haben wir uns für diese Betriebsform entschieden.

Martin: Ich war während der Baustellen zuhause und auch zwei Monate nach dem Abschluss des zweiten Neubaus, da wir planten, dass ich Vollzeit zuhause bleibe. In den beiden Monaten habe ich gemerkt, dass das nicht meins ist. Da war einfach zu wenig los. (Er lacht) Ich habe dann, Anfang 2021 nach dem Bau des zweiten Stalls ebenfalls mit 30 Stunden bei Hubers Landhendl im Außendienst als Mästerbetreuer wieder gestartet. Der Kontakt zu anderen Betrieben ist mir sehr wichtig und es ist auch ein guter Ausgleich zur Arbeit zuhause.

Urlaub und freie Tage, gibt es sowas auch bei euch?

Ja! Da haben wir Gott sei Dank Freunde, die selbst auch Hühner haben und sich bei der Technik auskennen. Da brauchen wir uns nicht zu sorgen, das passt einfach gut. Wir freuen uns auch schon auf unsere verspätete zweiwöchige Hochzeitsreise im Frühjahr. Jetzt wollten wir, dass der zweite Stall erst in Betrieb geht. Auch letztes Jahr waren wir eine Woche im Sommer in Kroatien. Das ging nach der Ernte und vor der Herbstarbeit recht gut.

In welchen Bereichen arbeitet ihr mit dem Maschinenring zusammen?

Wir sind Mitglied bei der Traktor- und Maschinengemeinschaft Meggenhofen und konnten uns damit Investitionen in teure, nicht voll ausgelastete Maschinen sparen. Mit Unterstützung des Maschinenring haben wir zu viert eine eigene Gemeinschaft gegründet, mit der wir einen Front- und Heckmulcher gekauft haben. Mit der Anmeldung für die Nützung der Maschinen bin ich immer bald dran. Das klappt immer sehr gut. Bei der Baustelle haben wir vom Maschinenring Helfer gehabt und unsere Bio-Sojabohnen haben wir letztes Jahr der Hausrucköl-Mühle verkauft, die vom Maschinenring Grieskirchen geführt wird.

Ihr habt doch einiges an Ackerflächen, die ihr bewirtschaftet. Wird das Getreide am eigenen Betrieb verwendet?

Nur ein Teil vom Weizen wird direkt verfüttert und als ganze Körner zum Futter gemischt. Der Großteil der Ernte wird gelagert und im Jänner/Februar an unseren Futtermittelhersteller verkauft. Der verarbeitet das Getreide und die Mischung kommt pelletiert zurück – so ist der Kreislauf geschlossen.

Wie ist der Ablauf in den beiden Ställen mit den zwei Abteilen?

Die Küken bleiben ca. dreieinhalb Wochen im ersten Abteil und kommen dann rüber in den anderen Bereich, wo sie auch einen zwei Hektar großen Auslauf haben, bis sie ca. acht Wochen alt sind. Wir haben dann, während der erste Teil leer steht, ca. zwei Wochen Zeit, diesen zu säubern, bevor die nächsten Küken eingestellt werden. Wenn die Hühner sieben Wochen alt sind, melden wir das Gewicht der Hühner an den Verarbeiter, dann wird die Abholung weitergeplant. Damit kann der Handel einheitliche Waren bekommen.

Fotos: Alexandra Grill

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