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Der Wandel

Der Wandel

Der Wandel 1024 538 Maschinenring Blog Oberösterreich

Jetzt erreicht die Digitalisierung den Bauernhof. Zwei Bauern diskutieren mit dem Maschinenring über technische Innovationen und darüber, wohin die
Reise geht.

Gottfried, du bist seit 40 Jahren beim Maschinenring. Ist Landwirtschaft heute anders?

Gottfried Straßmayr: Als ich beim Maschinenring anfing und jemand für Pflanzenschutzmaßnahmen ausgefahren ist, hat es geheißen: „I bin e do, dass i eam den Pflock setz.“ In den 1970er-Jahren gab es ja nicht einmal Fahrgassen! Heute gibt der Fahrer alles ein, das System richtet sich danach und fährt dank RTK-Lenksystem auf zwei Zentimeter genau.

Johann Sigl: In naher Zukunft wirst du aufs Feld fahren und die Maschine stellt sich automatisch auf die Feldanforderungen ein. Wenn die Feldstückdaten erfasst sind, kann das farming.software jetzt schon.

Gerhard Schnellnberger: Es ist halt alles sehr speziell geworden. Ich habe mir unlängst ein Güllefass ausgeborgt. Bis alles richtig eingestellt ist, brauch ich zwei bis drei Stunden. Beim nächsten Mal geht das vielleicht ein bisschen schneller. Aber es ist nicht so, dass ich anhänge und eine halbe Stunde später am Feld steh.

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„Im Moment hab ich das Gefühl, der Landwirt wird überrollt.“ Gottfried Straßmayr begleitet den Maschinenring Pyhrn-Eisen­wurzen seit Jahrzehnten und sieht Potenzial, aber auch Herausforderungen für die Bauern.

Überfordert das Technikangebot?

Gottfried Straßmayr: Die Geschwindigkeit, in der wir mit neuer Technik konfrontiert werden, nimmt zu. Im Moment habe ich das Gefühl, der Landwirt wird überrollt.

Markus Schwaiger: Das Tempo ist hoch, auch für die Hersteller selbst. Technik, die verkauft wird, kann regional oft vom Händler nicht ausreichend unterstützt werden. In der Praxis ergeben sich Probleme und der Bauer wird allein gelassen.

Wolfgang Schickmair: Es wäre lässig, wenn alle Systeme kompatibel wären. Ich selbst habe alles von einem Anbieter. Sobald du in einer anderen Farbe bist, hast du ein Problem.

Markus Schwaiger: Ich habe unlängst mit einem Landwirt geredet, der einen neuen Traktor gekauft hat. Er war voller Freude, hat ihn am Freitag geliefert bekommen und wollte am Samstag gleich damit arbeiten. Aber das Mähen war nicht möglich, weil er mit der neuen Technik vom Traktor nicht zurechtgekommen ist. Er ist dann mit dem alten Traktor gefahren.

Wolfgang Schickmair: Das glaub ich sofort. Einsteigen und fahren gilt schon lang nicht mehr. Du brauchst wirklich eine Einschulung und musst dich mit der neuen Technik beschäftigen.

Johann Sigl: … und musst bereit sein, Zeit für diese Einarbeitungsphase zu investieren. Nur dann kannst du das Potenzial auch nutzen.

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„Einsteigen und fahren gilt schon lang nicht mehr“, weiß Wolfgang Schickmair aus Ried im Traunkreis. Er ist Vollerwerbsbauer und bewirtschaftet 27 ha Acker mit Wirtschaftsdünger-Abnahmevertrag, hat 60 Zuchtsauen und 380 Mastplätze und betreibt eine Trocknungsanlage für Hackschnitzel und auch für Getreide, Mais und Heu-RB mittels Hackschnitzelwarmluftofen. Sein überbetrieblicher Haupteinsatz ist das Rundballenpressen für Stroh und Heu.

Auch das Hofmanagement wird digital. Wird es dadurch wirklich leichter?

Gottfried Straßmayr: Schon in den Anfängen eines MR Online-Managers kamen Bauern auf mich zu und forderten: „Hallo, tats wos! I wü die ganze Schreiberei nimma hom!“

Wolfgang Schickmair: Ich nutze seit drei Jahren für Erfassung und Verrechnung den MR Online-Manager. Das ist wirklich eine gewaltige Verbesserung, es geht ja fast gar nicht mehr ohne.

Johann Sigl: Das höre ich von vielen ­Bauern. Ich bin auch überzeugt, dass auch der durchschnittliche Landwirt mit 30 bis 40 ha die Software für Dokumentation, egal, ob übers Handy oder über den Computer, brauchen wird. Die Zettelwirtschaft ist ein Auslaufmodell.

Markus Schwaiger: Und man weiß nicht, was noch kommt. Die Mindestaufzeichnungspflicht z. B. besteht jetzt schon. Alles deutet darauf hin, dass man für Förderprogramme wie ÖPUL detaillierter aufzeichnen muss. Wenn du da sagst: „Ich will das nicht“, lässt du viel Geld hinten. Dann erfüllst du vielleicht die Kriterien, aber bekommst keine Ausgleichszahlungen dafür, weil du nicht richtig dokumentiert hast.

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Gerhard Schnellnberger aus Wartberg hat einen Tierwohl-SchweinemastBetrieb mit 300 Mastplätzen und bewirtschaftet 28 ha Acker. Außerdem reinigt und trocknet er mit Solarumluft auf umweltfreundliche Art Hackschnitzel. Sein Kompoststreuer wird viel über den MR eingesetzt. Der Vollerwerbsbauer, der auch in der bäuerlichen Nachbarschaftshilfe für den Maschinenring tätig ist, sieht viele Chancen in der Digitalisierung, aber weiß: „Es ist halt alles sehr speziell geworden.“

Viele scheuen sich davor, ihre Daten „preiszugeben“.

Gerhard Schnellnberger: Ich selbst sehe das auch nicht so verbissen, wenn jemand meine Daten verwaltet. Ich mach nichts falsch, für mich überwiegen die Vorteile. Ich arbeite mit ÖDuPlan. Wenn ich auf der Spritze sitze und nicht mehr weiß, wie viele ha es waren, dann schau ich auf mein Handy. Und wenn irgendein Kontrolleur kommt, brauch ich den Bericht nur ausdrucken.

Wolfgang Schickmair: Auch die Berechnungstools: Wenn du dir alles mit der Hand ausrechnest und du veränderst einen Faktor vorne, kannst wieder von vorne anfangen.

Johann Sigl: Es ist nur immens wichtig, dass die Daten nicht außer Hand gehen und an Dritte weitergegeben werden. Da hat es der Maschinenring natürlich ­leichter, wir sind nicht rein kommerziell ausgelegt. Bei uns stehen die eingegebenen Daten dann nur dem Landwirt als Eigen­tümer zur Verfügung.

Markus Schwaiger: Sagen wir es mal so: Bei den Maschinenring-Produkten kann man sich registrieren, ohne schon zwei Wochen später Werbung für Pflanzenschutzmittel zu bekommen. (alle lachen) Aber vor allem die Schnittstellen zu öffentlichen Institutionen sind ein Thema. Wir möchten zum Beispiel nicht, dass die Behörde Zugriff auf alle Daten des Betriebs hat.

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Markus Schwaiger ist Digitalisierungsexperte beim Maschinenring und Teil des MR-Helpdesk. Er ist überzeugt: „Manche haben Sorge, durch die Digitalisierung würde sich der Landwirt entfremden. Aber genau das Gegenteil ist der Fall.“

Der Maschinenring entwickelt eigene, unabhängige Produkte. Wie hilft er noch?

Markus Schwaiger: Manche haben Sorge, durch die Digitalisierung würde sich der Landwirt entfremden. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wir begeistern für Lösungen, leisten Überzeugungsarbeit, helfen beim Einstieg.
Andernfalls wären Projekte wie der MR Online-Manager und farming.software auch Rohrkrepierer. Der Umstieg auf digitale Technik ist anders als beim Traktorkauf: Da weiß der Landwirt wirklich genau, was er will. Welche Marke, welche Farbe, welches Anbaugerät. Er kennt genau den Nutzen, den ihm die Investition bringt. Bei digitalen Produkten ist es schwerer.

Johann Sigl: Richtig. Man muss den Landwirt überzeugen, dass digitale Produkte eine Arbeitserleichterung sein können.
Vielleicht wird der Vorteil der Digitalisierung erst in ein paar Jahren wirklich tragend, wenn z. B. weitere Aufzeichnungen verpflichtend werden und der landwirtschaftliche Betrieb mit Mehrauflagen überrannt werden würde. Die richtige Zeit zum Einstieg ist jetzt.

Gottfried Straßmayr: Beim Maschinenring hat man vor Ort einen Ansprechpartner, mit dem man einmal grundsätzlich über die Möglichkeiten reden kann. Beratung ist sehr wichtig. Und schnelle Hilfe, wenn es ein Problem mit der neuen Technik gibt. Dafür haben wir den MR-Helpdesk. Markus, du bist selbst bei der „Problemlöser-Hotline“ im Einsatz?

Markus Schwaiger: Ja, seit ein paar Monaten wird die Hotline auch wirklich genutzt. Es freut uns jedes Mal, wenn wir weiter­helfen und ein Problem lösen können. Auch für uns war es ein breiter Weg, uns mit allen Systemen fachlich auseinanderzusetzen. Mittlerweile haben wir uns ein Netzwerk mit Herstellern aufgebaut und viel gelernt.

Johann Sigl: Der Maschinenring profitiert ja auch vom Austausch in ganz Österreich. Zum Beispiel nutzen die niederösterreichischen Bauern – aufgrund ihrer größeren Betriebsflächen – RTK schon länger als wir. Von ihrem Wissen profitieren wir jetzt.

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Johann Sigl ist Agrarbetreuer beim Maschinen­ring Region Innviertel und überzeugt, dass jeder Landwirt in naher Zukunft digitale Lösungen brauchen wird: „Die Zettelwirtschaft ist ein Auslaufmodell.“

Was sind die häufigsten Fragen beim MR-Helpdesk?

Markus Schwaiger: Die meisten haben aktuell Fragen zu farming.software. Auch finanzierbare RTK-Nachrüstlösungen für Lenksysteme sind ein heißes Thema, wobei wir hier natürlich keine Kaufbe­ratung hinsichtlich Marke geben. Aber ich kann dem Landwirt sagen, was er beim Verkäufer nachfragen soll und warum. So können vorab Unsicherheiten aus der Welt geschafft werden.

Digitale Technik hat also enormes Potenzial. Aber wie sollen das vor allem kleinere Betriebe finanzieren?

Johann Sigl: Ich sehe die steigenden Kosten sehr kritisch. Die Investitionen für Hardware und vor allem die Lizenzkosten sind enorm. Damit sichern sich die Hersteller ja ab. Hier kann der Maschinenring neu­traler sein, deshalb entwickeln wir eigene Produkte.

Gerhard Schnellnberger: Es werden sich die Kompetenzen verlagern. Wenn etwas nicht funktioniert, kann ich es selbst sowieso nicht herrichten. Da kann ich gleich alles auslagern.

Wolfgang Schickmair: Wenn der Prozessorchip durchgebrannt ist, brauchst nicht zum Platinenlöten anfangen. (lacht)

Markus Schwaiger: Ich denke jetzt wirklich weit voraus: Wenn wirklich die Roboter auf den Feldern Einzug halten, das wird nur noch im Leasing oder in Gemeinschaft abgewickelt werden. Es gibt ja auch jetzt schon keine Baufirma, die sich die Maschinen kauft, das wird nur geleast. Der Bezug von Landwirten zu digitaler Technik ist in meiner Erfahrung auch nicht so stark gegeben wie z. B. zum Hoftraktor. Vielleicht sind wir in ein paar Jahren wieder dort, wo der Maschinenring angefangen hat, nämlich in Gemeinschaften.

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