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Agrar

„Die Innovation, die wir Bauern so schätzen, ist dem Bürger eher ein Dorn im Auge.“ 1024 538 Maschinenring Blog Oberösterreich

„Die Innovation, die wir Bauern so schätzen, ist dem Bürger eher ein Dorn im Auge.“

Gastkommentar von Dr. Willi Kremer-Schillings, auch bekannt als „Bauer Willi“, schaut gern über den Tellerrand. Er ist überzeugt, dass nur im Dialog Lösungen liegen. Mehr Beiträge auf www.bauerwilli.com

In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Landwirtschaft vieles gewandelt. Um die Arbeit zu erleichtern und Arbeitskräfte zu ersetzen, wurde innovative Technik eingesetzt. Klar, dass wir Bauern das gut finden. Aber wie sieht es mit dem Bürger und Verbraucher aus?

Warum ich da eine Unterscheidung mache? Weil sich diese beiden „Wesen“, die wir alle in uns haben, deutlich unterscheiden. Der Verbraucher kauft in der Regel gerne gut und günstig, wenn es passt, auch regional und bio. Wenn aber, wie derzeit, das Geld nicht mehr so locker sitzt, darf es dann auch wieder der Discounter sein. Und dort auch gerne die Eigenmarke aus dem unteren Regal.

Und der Bürger? Der Bürger stellt nach wie vor hohe Ansprüche an die Art und Weise, wie wir Landwirte die Lebensmittel erzeugen. Und da ist die Innovation, die wir Bauern so schätzen, dem Bürger eher ein Dorn im Auge. Statt Ferkelschutzkorb möchte er lieber, dass die Sau mit ihren Ferkeln auf der grünen Wiese frei herumlaufen kann. Ein Schlammloch zum Suhlen darf es auch noch sein. Ob das mit hygienischen Anforderungen zusammengeht? Darüber denkt er nicht nach und wirft uns auch noch Blockadehaltung vor. 20 Jahre lang konnten wir ohne größere Kritik wirtschaften, wie wir es für richtig hielten, und jetzt will der Bürger mitreden?

„Der hat doch keine Ahnung“, werden Sie jetzt sagen. Stimmt, und das ist für uns eine Riesenchance! Wir sollten, nein, wir müssen unseren Mit-Bürgern erzählen, was wir machen, wie wir es ­machen und warum wir es so machen. Ich sage bewusst „erzählen“, denn damit wir ins Gespräch kommen, ist es wichtig, zu fragen. Allzu häufig heißt es: „Pass mal auf, ich erkläre dir jetzt mal, warum der Ferkelschutzkorb sein muss.“ Kreative Kommunikation ist gefragt, und diese Gespräche verlaufen auf Augen­höhe.

Einen Satz von Paul Watzlawick finde ich da sehr passend: „Der Andersdenkende ist kein Idiot, er hat sich lediglich eine andere Wirklichkeit konstruiert.“
Und wer ist eigentlich der Andersdenkende?

Der Wandel 1024 538 Maschinenring Blog Oberösterreich

Der Wandel

Jetzt erreicht die Digitalisierung den Bauernhof. Zwei Bauern diskutieren mit dem Maschinenring über technische Innovationen und darüber, wohin die
Reise geht.

Gottfried, du bist seit 40 Jahren beim Maschinenring. Ist Landwirtschaft heute anders?

Gottfried Straßmayr: Als ich beim Maschinenring anfing und jemand für Pflanzenschutzmaßnahmen ausgefahren ist, hat es geheißen: „I bin e do, dass i eam den Pflock setz.“ In den 1970er-Jahren gab es ja nicht einmal Fahrgassen! Heute gibt der Fahrer alles ein, das System richtet sich danach und fährt dank RTK-Lenksystem auf zwei Zentimeter genau.

Johann Sigl: In naher Zukunft wirst du aufs Feld fahren und die Maschine stellt sich automatisch auf die Feldanforderungen ein. Wenn die Feldstückdaten erfasst sind, kann das farming.software jetzt schon.

Gerhard Schnellnberger: Es ist halt alles sehr speziell geworden. Ich habe mir unlängst ein Güllefass ausgeborgt. Bis alles richtig eingestellt ist, brauch ich zwei bis drei Stunden. Beim nächsten Mal geht das vielleicht ein bisschen schneller. Aber es ist nicht so, dass ich anhänge und eine halbe Stunde später am Feld steh.

„Im Moment hab ich das Gefühl, der Landwirt wird überrollt.“ Gottfried Straßmayr begleitet den Maschinenring Pyhrn-Eisen­wurzen seit Jahrzehnten und sieht Potenzial, aber auch Herausforderungen für die Bauern.

Überfordert das Technikangebot?

Gottfried Straßmayr: Die Geschwindigkeit, in der wir mit neuer Technik konfrontiert werden, nimmt zu. Im Moment habe ich das Gefühl, der Landwirt wird überrollt.

Markus Schwaiger: Das Tempo ist hoch, auch für die Hersteller selbst. Technik, die verkauft wird, kann regional oft vom Händler nicht ausreichend unterstützt werden. In der Praxis ergeben sich Probleme und der Bauer wird allein gelassen.

Wolfgang Schickmair: Es wäre lässig, wenn alle Systeme kompatibel wären. Ich selbst habe alles von einem Anbieter. Sobald du in einer anderen Farbe bist, hast du ein Problem.

Markus Schwaiger: Ich habe unlängst mit einem Landwirt geredet, der einen neuen Traktor gekauft hat. Er war voller Freude, hat ihn am Freitag geliefert bekommen und wollte am Samstag gleich damit arbeiten. Aber das Mähen war nicht möglich, weil er mit der neuen Technik vom Traktor nicht zurechtgekommen ist. Er ist dann mit dem alten Traktor gefahren.

Wolfgang Schickmair: Das glaub ich sofort. Einsteigen und fahren gilt schon lang nicht mehr. Du brauchst wirklich eine Einschulung und musst dich mit der neuen Technik beschäftigen.

Johann Sigl: … und musst bereit sein, Zeit für diese Einarbeitungsphase zu investieren. Nur dann kannst du das Potenzial auch nutzen.

„Einsteigen und fahren gilt schon lang nicht mehr“, weiß Wolfgang Schickmair aus Ried im Traunkreis. Er ist Vollerwerbsbauer und bewirtschaftet 27 ha Acker mit Wirtschaftsdünger-Abnahmevertrag, hat 60 Zuchtsauen und 380 Mastplätze und betreibt eine Trocknungsanlage für Hackschnitzel und auch für Getreide, Mais und Heu-RB mittels Hackschnitzelwarmluftofen. Sein überbetrieblicher Haupteinsatz ist das Rundballenpressen für Stroh und Heu.

Auch das Hofmanagement wird digital. Wird es dadurch wirklich leichter?

Gottfried Straßmayr: Schon in den Anfängen eines MR Online-Managers kamen Bauern auf mich zu und forderten: „Hallo, tats wos! I wü die ganze Schreiberei nimma hom!“

Wolfgang Schickmair: Ich nutze seit drei Jahren für Erfassung und Verrechnung den MR Online-Manager. Das ist wirklich eine gewaltige Verbesserung, es geht ja fast gar nicht mehr ohne.

Johann Sigl: Das höre ich von vielen ­Bauern. Ich bin auch überzeugt, dass auch der durchschnittliche Landwirt mit 30 bis 40 ha die Software für Dokumentation, egal, ob übers Handy oder über den Computer, brauchen wird. Die Zettelwirtschaft ist ein Auslaufmodell.

Markus Schwaiger: Und man weiß nicht, was noch kommt. Die Mindestaufzeichnungspflicht z. B. besteht jetzt schon. Alles deutet darauf hin, dass man für Förderprogramme wie ÖPUL detaillierter aufzeichnen muss. Wenn du da sagst: „Ich will das nicht“, lässt du viel Geld hinten. Dann erfüllst du vielleicht die Kriterien, aber bekommst keine Ausgleichszahlungen dafür, weil du nicht richtig dokumentiert hast.

Gerhard Schnellnberger aus Wartberg hat einen Tierwohl-SchweinemastBetrieb mit 300 Mastplätzen und bewirtschaftet 28 ha Acker. Außerdem reinigt und trocknet er mit Solarumluft auf umweltfreundliche Art Hackschnitzel. Sein Kompoststreuer wird viel über den MR eingesetzt. Der Vollerwerbsbauer, der auch in der bäuerlichen Nachbarschaftshilfe für den Maschinenring tätig ist, sieht viele Chancen in der Digitalisierung, aber weiß: „Es ist halt alles sehr speziell geworden.“

Viele scheuen sich davor, ihre Daten „preiszugeben“.

Gerhard Schnellnberger: Ich selbst sehe das auch nicht so verbissen, wenn jemand meine Daten verwaltet. Ich mach nichts falsch, für mich überwiegen die Vorteile. Ich arbeite mit ÖDuPlan. Wenn ich auf der Spritze sitze und nicht mehr weiß, wie viele ha es waren, dann schau ich auf mein Handy. Und wenn irgendein Kontrolleur kommt, brauch ich den Bericht nur ausdrucken.

Wolfgang Schickmair: Auch die Berechnungstools: Wenn du dir alles mit der Hand ausrechnest und du veränderst einen Faktor vorne, kannst wieder von vorne anfangen.

Johann Sigl: Es ist nur immens wichtig, dass die Daten nicht außer Hand gehen und an Dritte weitergegeben werden. Da hat es der Maschinenring natürlich ­leichter, wir sind nicht rein kommerziell ausgelegt. Bei uns stehen die eingegebenen Daten dann nur dem Landwirt als Eigen­tümer zur Verfügung.

Markus Schwaiger: Sagen wir es mal so: Bei den Maschinenring-Produkten kann man sich registrieren, ohne schon zwei Wochen später Werbung für Pflanzenschutzmittel zu bekommen. (alle lachen) Aber vor allem die Schnittstellen zu öffentlichen Institutionen sind ein Thema. Wir möchten zum Beispiel nicht, dass die Behörde Zugriff auf alle Daten des Betriebs hat.

Markus Schwaiger ist Digitalisierungsexperte beim Maschinenring und Teil des MR-Helpdesk. Er ist überzeugt: „Manche haben Sorge, durch die Digitalisierung würde sich der Landwirt entfremden. Aber genau das Gegenteil ist der Fall.“

Der Maschinenring entwickelt eigene, unabhängige Produkte. Wie hilft er noch?

Markus Schwaiger: Manche haben Sorge, durch die Digitalisierung würde sich der Landwirt entfremden. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wir begeistern für Lösungen, leisten Überzeugungsarbeit, helfen beim Einstieg.
Andernfalls wären Projekte wie der MR Online-Manager und farming.software auch Rohrkrepierer. Der Umstieg auf digitale Technik ist anders als beim Traktorkauf: Da weiß der Landwirt wirklich genau, was er will. Welche Marke, welche Farbe, welches Anbaugerät. Er kennt genau den Nutzen, den ihm die Investition bringt. Bei digitalen Produkten ist es schwerer.

Johann Sigl: Richtig. Man muss den Landwirt überzeugen, dass digitale Produkte eine Arbeitserleichterung sein können.
Vielleicht wird der Vorteil der Digitalisierung erst in ein paar Jahren wirklich tragend, wenn z. B. weitere Aufzeichnungen verpflichtend werden und der landwirtschaftliche Betrieb mit Mehrauflagen überrannt werden würde. Die richtige Zeit zum Einstieg ist jetzt.

Gottfried Straßmayr: Beim Maschinenring hat man vor Ort einen Ansprechpartner, mit dem man einmal grundsätzlich über die Möglichkeiten reden kann. Beratung ist sehr wichtig. Und schnelle Hilfe, wenn es ein Problem mit der neuen Technik gibt. Dafür haben wir den MR-Helpdesk. Markus, du bist selbst bei der „Problemlöser-Hotline“ im Einsatz?

Markus Schwaiger: Ja, seit ein paar Monaten wird die Hotline auch wirklich genutzt. Es freut uns jedes Mal, wenn wir weiter­helfen und ein Problem lösen können. Auch für uns war es ein breiter Weg, uns mit allen Systemen fachlich auseinanderzusetzen. Mittlerweile haben wir uns ein Netzwerk mit Herstellern aufgebaut und viel gelernt.

Johann Sigl: Der Maschinenring profitiert ja auch vom Austausch in ganz Österreich. Zum Beispiel nutzen die niederösterreichischen Bauern – aufgrund ihrer größeren Betriebsflächen – RTK schon länger als wir. Von ihrem Wissen profitieren wir jetzt.

Johann Sigl ist Agrarbetreuer beim Maschinen­ring Region Innviertel und überzeugt, dass jeder Landwirt in naher Zukunft digitale Lösungen brauchen wird: „Die Zettelwirtschaft ist ein Auslaufmodell.“

Was sind die häufigsten Fragen beim MR-Helpdesk?

Markus Schwaiger: Die meisten haben aktuell Fragen zu farming.software. Auch finanzierbare RTK-Nachrüstlösungen für Lenksysteme sind ein heißes Thema, wobei wir hier natürlich keine Kaufbe­ratung hinsichtlich Marke geben. Aber ich kann dem Landwirt sagen, was er beim Verkäufer nachfragen soll und warum. So können vorab Unsicherheiten aus der Welt geschafft werden.

Digitale Technik hat also enormes Potenzial. Aber wie sollen das vor allem kleinere Betriebe finanzieren?

Johann Sigl: Ich sehe die steigenden Kosten sehr kritisch. Die Investitionen für Hardware und vor allem die Lizenzkosten sind enorm. Damit sichern sich die Hersteller ja ab. Hier kann der Maschinenring neu­traler sein, deshalb entwickeln wir eigene Produkte.

Gerhard Schnellnberger: Es werden sich die Kompetenzen verlagern. Wenn etwas nicht funktioniert, kann ich es selbst sowieso nicht herrichten. Da kann ich gleich alles auslagern.

Wolfgang Schickmair: Wenn der Prozessorchip durchgebrannt ist, brauchst nicht zum Platinenlöten anfangen. (lacht)

Markus Schwaiger: Ich denke jetzt wirklich weit voraus: Wenn wirklich die Roboter auf den Feldern Einzug halten, das wird nur noch im Leasing oder in Gemeinschaft abgewickelt werden. Es gibt ja auch jetzt schon keine Baufirma, die sich die Maschinen kauft, das wird nur geleast. Der Bezug von Landwirten zu digitaler Technik ist in meiner Erfahrung auch nicht so stark gegeben wie z. B. zum Hoftraktor. Vielleicht sind wir in ein paar Jahren wieder dort, wo der Maschinenring angefangen hat, nämlich in Gemeinschaften.

Hohe Güllefrachten im Herbst hinterfragen 682 384 Maschinenring Blog Oberösterreich

Hohe Güllefrachten im Herbst hinterfragen

Zu den üblichen Arbeiten bei den viehhaltenden Betrieben gehört auch die Ausbringung von Gülle im Herbst. Ziel dabei ist meist, ausreichend Grubenraum für den Winter zu schaffen, weil dieser oft nicht ausreichend groß dimensioniert ist. Ein Nährstoffbedarf ist grundsätzlich nach dem letzten Schnitt nicht mehr gegeben.

Wie effizient der Einsatz von Gülle im Herbst ist, war und ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen zwischen Landwirten, Beratern und Wissenschaftlern. Es gab einige Versuche zur Thematik, die je nach Standort unterschiedlich ausfielen: Zum Teil gab es keine signifikanten Ertragsunterschiede zwischen Herbstdüngung und Frühjahrsdüngung beim 1. Folgeaufwuchs. Eine Untersuchung des LfL Bayern kam aber zu dem Ergebnis, dass im Frühling gedüngter Stickstoff effizienter von den Pflanzen aufgenommen und in Ertrag umgesetzt werden kann. Ein rascheres Ergrünen von Grünland im Frühjahr nach erfolgter Herbstdüngung kann regelmäßig beobachtet werden, ein signifikanter Ertragsvorteil konnte aber nicht nachgewiesen werden.

Neben der Stickstoff-Effizienz sollte aber auch der Phosphor-Verfügbarkeit Aufmerksamkeit geschenkt werden. Im Zuge des ÖPUL Programmes „Vorbeugender Grundwasserschutz Grünland“ wurden in der noch aktuellen ÖPUL-Periode in OÖ in Summe über 25.000 Bodenproben auf Grünlandflächen ausgewertet: Was die Phosphor-Versorgung anbelangt, waren ca. 75 % der untersuchten Flächen mit Phosphor unterversorgt (sie lagen unter dem Richtwert von 34 mg P/1000g Boden am Grünland). Bei der Phosphor-Versorgung muss beachtet werden, dass dieser Nährstoff zwar nicht der Auswaschung unterliegt, aber im Boden grundsätzlich in drei Fraktionen vorliegen kann: wasserlösliches Phosphat (pflanzenverfügbar), labiles Phosphat (leicht pflanzenverfügbar) und stabiles Phosphat (nicht pflanzenverfügbar). Je länger der Phosphor „ungenutzt“ im Boden vorliegt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er in labiles und letztlich in stabiles Phosphat umgewandelt wird und in dieser Form nicht mehr zur Pflanzenernährung zur Verfügung steht. Auch aus diesem Aspekt sollte der Phosphor (in der Gülle) zum Entzug – sprich erst wieder im Frühjahr – gedüngt werden.

Fazit: Geringe Güllegaben nach dem letzten Schnitt in der Höhe von bis zu 10 m3/ha scheinen vertretbar zu sein. Überhöhte Güllegaben vor der vegetationslosen und niederschlagsreichen Zeit sind fachlich nicht gerechtfertigt und sollten der Vergangenheit angehören. Abstandsauflagen zu Gewässern und die Sperrfristen (siehe auch hier: Cross Compliance | bwsb – Gesetze und Förderprogramme) müssen jedenfalls eingehalten werden!

Maschinenring-Ausbildung: Sarahs Einstieg in die Landwirtschaft 800 600 Maschinenring Blog Oberösterreich

Maschinenring-Ausbildung: Sarahs Einstieg in die Landwirtschaft

Melken, Grünraumpflege, Therapiearbeit und mehr … für Sarah ist das WAF-Angebot ein Volltreffer.

Sarah ist Absolventin der Fachschule Mistelbach bei Wels und machte anschließend in der HBLA Elmberg den Aufbaulehrgang zur Matura. Auf der Suche nach einem Job im ländlichen Bereich stieß sie 2020 auf die Ausbildung beim Maschinenring.

In den zehn Wochen des Ausbildungsblocks lernte Sarah neben land- und forstwirtschaftlichen Inhalten auch landschaftsgärtnerische und gewerbliche Grundlagen (am Bild in der Bauakademie Steiermark). Am meisten begeistert sie die Arbeit auf landwirtschaftlichen Betrieben – und da vor allem die Arbeit mit den Tieren. So war sie bereits auf vielen Einsätzen mit Schweinen und Kühen. Auch im Bereich Grünraumpflege konnte sie schon bei vielen Gartengestaltungen und -pflegen dabei sein.

„Mir gefallen beim Maschinenring die abwechslungsreichen Aufgaben und die Vielseitigkeit“, betont Sarah.

Wer denkt, Personalleasing bei Firmen wäre nur männlich besetzt, irrt sich! Sie konnte in ihren zwei Jahren auch in sonst typischen männlichen Branchen wie Baufirmen, Müllabfuhr und Tischlereien mit ihrer aufgeschlossenen Art und ihrem Engagement punkten.

Wir finden immer eine Lösung 1024 683 Maschinenring Blog Oberösterreich

Wir finden immer eine Lösung

Was sind die täglichen Herausforderungen, wenn man Betriebshelfer vermittelt? Wie geht man mit der psychischen Belastung bei schwierigen Fällen um? Was braucht es, um die Betriebshilfe weiter sicherzustellen? Roman Braun, Leiter der Agrarbetreuung vom Maschinenring Oberösterreich, befragt dazu sechs Mitarbeiterinnen, die täglich Probleme wie diese lösen.

Manchmal hört man, man bekäme keinen Betriebshelfer, der Maschinenring kümmere sich nur um Service und Leasing. Stimmt das?

Berta Eckerstorfer: Leider heißt es immer wieder, für Betriebshilfe und die Bauern habe der Maschinenring nicht mehr viel über. Daher war das auch ein Thema in der Agrarklausur der Vorstandsmitglieder. Nun informieren wir den Vorstand bei jedem vermittelten Betriebshilfefall per E-Mail. Alle sollen sehen, dass wir uns reinhängen und Hilfe auf die Beine stellen. Leider fehlt es an Betriebshelfern. Das wollen wir in der Bauernschaft thematisieren. Es muss jedem landwirtschaftlichen Betrieb ein Anliegen sein, dass wir im Maschinenring genug Betriebshelfer haben.

Früher gab es regelmäßig einen Betriebshilfe-Ausschuss im Maschinenring-Vorstand, bei dem die Fälle durchgesprochen wurden. Nun prüft die SVS selbst. Identifiziert sich der Maschinenring ausreichend mit den anstehenden Fällen?

Christine Binder: Ohne Nachbarschaftshilfe, die wir als Maschinenring koordinieren, ließe sich der Bedarf gar nicht decken. Die Feldarbeit ist eine Sache, aber die Stallarbeit macht man in Nachbarschaftshilfe maximal eine Woche mit, dann muss der Betriebshelfer her.

Linda Roitinger, Maschinenring Grieskirchen

Linda Roitinger: Wir sind in der glücklichen Lage, einige Betriebshelfer zu haben, zusätzlich zu unserer angestellten Betriebshelferin. Diese macht gerade den zehnwöchigen Kursblock im Rahmen der Ausbildung zur Wirtschafts- und Agrar Fachkraft. Einstweilen springe ich selbst ein. Ich steh auf, geh melken, dusch mich, fahr ins Büro und geh am Abend wieder melken. In Notsituationen bringe ich es nicht übers Herz, zu sagen, dass kein Helfer kommen kann. Da will man einfach, dass es geht.

Christine Binder: Ein Beispiel. Karfreitag, ich war krank, das Handy läutet: Ein Milchvieh-Bauer, keine 50, hatte einen Schlaganfall. Nach vielen Telefonaten organisierte ich eine Hilfe, einen fleißigen Otterbach-Schüler, der gerade die Schule abgeschlossen hatte. Er übernahm noch am gleichen Abend das Melken. Kurz darauf klappte die Bäuerin zusammen, der 17-Jährige war allein am Hof. Du weißt, jetzt ist Land unter, und packst zusammen. In diesem Fall ist mein Bruder eingesprungen. Der hat selbst 50 Kühe am Hof und hat trotzdem geholfen.

Christine Binder, Maschinenring Innviertel und Ried

Was motiviert Menschen, aus eigenem Antrieb zu helfen?

Christine Binder: Das Wissen, dass einem das selbst jederzeit auch passieren kann. Wenn es mich trifft, bin ich froh, wenn mir auch jemand hilft. Und du brauchst sofort eine Lösung. Du kannst den Kühen nicht „heute nicht“ sagen und Kostgeld geben.

Berta Eckerstorfer: Das Vertrauensverhältnis spielt eine ganz wesentliche Rolle. Oft höre ich: „Dir helfe ich, für dich mache ich das jetzt.“ Der Bauer weiß, wenn es ihn erwischt, renne ich auch für ihn. Es ist im Grunde ein Solidaritätsthema.

Wie kommen die Betriebshilfe-Fälle bei euch im Maschinenring herein?

Johanna Waldl: Ganz oft auf falschem Weg. Viele telefonieren sich erst bei der SVS durch, versuchen es mit der „pauschalen Betriebshilfe“, was für die meisten keine Lösung ist und echten administrativen Aufwand mit sich bringt. Irgendwann landen sie bei uns. Ich fahre dann zum Hof und wir füllen den Antrag gemeinsam aus.

Andrea Raab: Die akuten Fälle kommen Tag und Nacht rein, zu jeder Tageszeit. Manchmal rufen die Betriebe selbst an, manchmal die Kinder, die Nachbarn, die Vertreter der Ortsbauernschaft, der Bürgermeister usw. Dann beginnt die Suche: telefonieren, telefonieren, telefonieren. Man hat viel zu erledigen und muss an so viel denken, damit man ja nichts übersieht, zum Beispiel die termingerechten Meldungen an die SVS. Wenn man in der Betriebshilfe arbeitet, sind einem die Leute nicht wurscht.

Andrea Raab, Maschinenringe Freistadt und Freistadt Süd & Ost

Ihr kümmert euch um alles vom Melken bis zur Abrechnung?

Christine Binder: Bei uns können Landwirte ihr „Packerl abgeben“, weil sie wissen, dass wir uns kümmern. Mit den Jahren lernt man, wie man in belastenden Situationen trotzdem einen gesunden Abstand hält. Sonst arbeitet es dich auf.

Andrea Raab: Es sind zum Teil schwere Schicksalsschläge: Ein Bauer, ein junger Vater, wurde in der Früh von seiner Frau tot im Stall gefunden, vergiftet von Güllegasen. Das war furchtbar. Ich war froh, dass mit mir auch der Pfarrer bei der Familie war. Der Betrieb läuft aber weiter. Bis zum Abend hatten wir den Betriebshelfer am Hof. Solche Situationen lassen uns emotional nicht so schnell los.

Johanna Waldl: Wir sind da, wir verstehen das Problem und erkennen die Situation in ihrer Tragweite. Das macht uns speziell in Krisensituationen zu Bezugspersonen, denen man sich anvertrauen kann. Oft tut es den Betroffenen auch einfach gut, das Herz ausschütten zu können.

Sieglinde Derntl: Jeder Betriebshilfeeinsatz ist sehr individuell und sollte nach Möglichkeit auf die Bedürfnisse der Leute und die Gepflogenheiten des Betriebes selbst abgestimmt werden. Die Menschen sind meistens in einer Ausnahmesituation und es bedarf einer sehr einfühlsamen Besprechung mit ihnen, besonders bei Unfall und Tod eines Familienangehörigen. Meistens kennt man die betroffenen Leute und es entwickelt sich ein sehr persönliches Gespräch.

Ein Betriebshelfer muss da sein, wenn man ihn braucht. Er muss das machen, was ein Betriebsführer kann – wo findet man Menschen mit solchen Talenten?

Andrea Raab: Geeignete Betriebshelfer waren in den vergangenen Jahren immer Kinder von Landwirten, die bis zur Hofübernahme noch etwas Zeit hatten und sich etwas dazuverdienen wollten. Doch nun machen viele eine Ausbildung und arbeiten bis zur Hofübernahme in dem erlernten Beruf. Das verstehe ich. Junge Menschen möchten Erfahrungen sammeln.

Christine Binder: In einer perfekten Welt würde ich mir eine Gruppe gut ausgebildeter Dienstnehmer wünschen, die langfristig bei uns bleiben und im Akutfall immer greifbar sind. Aber das System muss auch finanzierbar sein.

Johanna Waldl: Betriebshelfer müssen viel können: Melktechniken, Tierhaltung, Maschinen fahren, am besten auch Mechaniker sein. Betriebshelfer findet man immer irgendwie, aber es wird immer schwieriger, den passenden Helfer zu finden.

Sieglinde Derntl, Maschinenring Granitland

Ist der Anspruch erfüllbar? Fachkräfte, die Tierhalter und halbe Tierärzte sind, sind nicht auch noch Mechaniker. Umgekehrt gilt das Gleiche. Auch Robotertechnik im Stall und am Feld erfordert enormes Wissen und Erfahrung.

Sieglinde Derntl: Manche Landwirte sind der Meinung, dass ein vom MR gesandter Betriebshelfer eh alles können muss. Es ist aber so, dass auf den Betrieben schon oft individuelle Techniken vorhanden sind und im Rahmen der Nachbarschaftshilfe nicht jeder die neuen bzw. auch alten Techniken können kann. Bei spontanen Einsätzen ist dann die Einschulung oft schwierig.

Linda Roitinger: Nicht nur die Robotertechnik! Bei meinem ersten Einsatz war ich bei einem kleineren Rinderbetrieb mit Anbindehaltung. In solchen Betrieben ist nicht die Technik eine Herausforderung, sondern, sich mit der vorhandenen Ausrüstung zu arrangieren. Vor allem, wenn man es daheim oder in der Schule anders gelernt hat. Außerdem muss man sich mit 20 Jahren das Vertrauen der Betriebsführer erst erarbeiten.          

Das war der Grünlandfachtag „Alternative Grünlanderntetechniken“ in Lembach im Mühlkreis 1024 768 Maschinenring Blog Oberösterreich

Das war der Grünlandfachtag „Alternative Grünlanderntetechniken“ in Lembach im Mühlkreis

Neben den verbreiteten Grünlanderntetechniken wie Scheibenmähwerk und Kreiselschwader erfahren auch neue bzw. bereits dagewesene Techniken wieder verstärkt Interesse. Nicht zuletzt, weil beispielsweise aufwändiges Messerschleifen heute automatisierbar ist und der Wartungsaufwand sinken kann. Neben der Vorstellung von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Kraftbedarf, Treibstoffverbrauch, Schlagkraft, Futterverschmutzung und vielem mehr stand vor allem der Praxiseinsatz der Geräte im Vordergrund.

Die Vorführfläche wurde in der Früh mit einem Doppelmesserschmetterling von BB-Umwelttechnik und mit einem Scheibenmähwerk mit dem System „Sensosafe“ zur Wildtierrettung von Pöttinger gemäht.

Anschließend gab es Fachvorträge zu den Mäh- und Schwadtechniken in der Maschinenhalle.

Bei der folgenden Maschinenerklärung als Live-Stream in die Halle kamen die Praktiker zu Wort und berichteten ihre Erfahrungen mit der jeweiligen Technik. Neben Mäh- und Schwadtechniken waren auch ein Schleifautomat für Doppelmessermähklingen und der Rumbojet zur chemischen Einzelpflanzenbekämpfung von Ampfer durch kameragesteuerte Einzeldüseneinschaltung vor Ort und wurden vorgestellt. Schnittbilder der unterschiedlichen Mähtechniken wurden einerseits wenige Stunden nach der Mahd verglichen und andererseits knapp zwei Tage alte Knaulgrashorste hergezeigt. Letztere wurden am Mittwoch zuvor mit jeweils stumpfen Klingen (links) und scharfen Messern (rechts) mit einem Scheibenmähwerk gemäht. Der Unterschied der Schnittwunden und des Wiederanwachsens waren augenscheinlich:

Bei der Praxisvorführung am Nachmittag waren die verschiedenen Schwadtechniken im Einsatz zu sehen. Neben einem herkömmlichen Doppel-Kreiselschwader mit Seitenablage wurden ein Sonnenrad-Schwader, der Kammschwader der Fa. BB Umwelttechnik, der Pick-Up Schwader Respiro von Reiter und der Pick-Up Schwader Mergento von Pöttinger hergezeigt.

Mit rund 120 Besuchern und letztlich perfektem Silierwetter war es eine gelungene Veranstaltung.

Auf Dominik kann man sich verlassen 800 533 Maschinenring Blog Oberösterreich

Auf Dominik kann man sich verlassen

Dominik Trenda war 21 Jahre jung, als er den elterlichen Hof übernahm. Inzwischen zeigt der Freistädter, wie vielfältig man einen Hof bewirtschaften kann und wie wichtig die richtige Bodenhaftung ist – in der Betriebsführung und im Zuverdienst.

Dominik Trenda wählt seine Worte mit Bedacht. Der 28-jährige Freistädter denkt Schritt für Schritt und hat das Ziel stets vor Augen. Dabei war das nicht immer so. Den jungen Dominik freute das Lernen nicht. Auch wenn sein Vater am abz Hagenberg unterrichtet. Dominik entscheidet sich um und macht eine Lehre als Installateur. Sein Traum ist aber, den elterlichen Hof zu übernehmen. Deswegen heuert er beim örtlichen Maschinenring im Winterdienst an, besucht die Abendschule der Landwirtschaftsschule Freistadt und sammelt Erfahrungen als Betriebshelfer. Mit Können, Engagement und Pflichtbewusstsein entwickelt er sich zu einer höchst willkommenen Fachkraft. Dominik Trenda ist 21 Jahre, als ihm sein Vater den Betrieb übergibt. „Seitdem haben wir eine Baustelle“, lacht er. Man hört Stolz aus seinen Worten. Der junge Bauer hat auf Mastkälber und Mastochsen umgestellt, hält Puten für Direktvermarktung und Kamerun-Schafe. Das Tierwohl ist ihm wichtig, artgerechte Strohhaltung selbst-verständlich. Insgesamt bewirtschaftet er 60 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 23 Hektar Ackerfeldbau und 37 Hektar Grünland.

Dominik Trenda mag die Tierhaltung, die er in den nächsten Jahren noch weiter ausbauen möchte. Zurzeit hält der junge LandwirtMastkälber und Mastochsen, Puten und Schafe.

Hirngespinste oder erreichbare Ziele?

Bei einem Rundgang am Betriebsgelände erzählt Dominik von seinen Plänen. Er möchte den Betrieb weiter ausbauen, noch mehr Tiere halten, vielleicht seinen Bruder, der hauptberuflich beim Maschinenring in der Gartengestaltung, Grünraum- und Baumpflege tätig ist, in den Betrieb holen. Aber Schritt für Schritt, das Risiko müsse abschätzbar sein. Ein Problem in der Landwirtschaft sei die Kluft zwischen Anforderungen und Einnahmen: „Was die Maschinen kosten und was ein Produkt erlöst, passt in der Landwirtschaft nicht zusammen. Alles wird teurer, nur unsere Produkte bringen seit Jahrzehnten das Gleiche.“ Vor einigen Jahren überlegte Dominik einen Truthahnstall für zweimal 3.000 Tiere zu bauen. Das hätte eine Investition von 1,5 Millionen Euro gebraucht. „Geil wär’s schon gewesen. Aber das muss man dann lassen. Die Verträge bekommt man nur für zehn Jahre. In zehn Jahren ist der Stall nicht bezahlt.“

Zuverdienst durch Maschinenring

Seine Arbeit beim Maschinenring-Winterdienst setzt Dominik auch als Betriebsführer fort. Ginge es ohne Nebenerwerb? „Wenn du nichts investieren willst, viel-leicht“, überlegt er. „Aber wenn du wachsen willst, musst du Geld herbeischaffen.“ Die ersten drei Jahre im Winterdienst war Dominik mit dem Gehsteigtraktor unterwegs, dann mit einem gemieteten Großtraktor, seit der vergangenen Saison verstärkt sein Bruder mit Dominiks eigenem Traktor das Team. Es gibt in Freistadt kaum Parkflächen oder Güterwege, die nicht vom Brüderpaar betreut werden. „Dominik und sein Bruder haben eine angeborene Ruhe. Sie machen wenig Aufhebens und bringen wahnsinnig viel weiter“, lobt sie Sieglinde Weingartner vom Maschinenring Freistadt. „Wenn Dominik sagt, er macht das, dann kann man sich hundertprozentig darauf verlassen. Das pfeift.“ Kein Wunder, dass Dominiks Telefon auch läutet, wenn irgendwo dringend ein Betriebshelfer gesucht wird. Bleibt da noch Zeit für ein Privatleben? Eine Freundin habe er jede-falls, schmunzelt Dominik, und Zeit für Urlaub könne er sich – dank Bruder und Eltern, die wenige Gehminuten entfernt wohnen – auch nehmen. Nur ein Skiurlaub sei für einen „Winterdienstler“ halt nicht so einfach.

Von der Bezwingung von Eis und Schnee bis zur Kehrung: David Trenda, Markus Traxler und Dominik Trenda sind ein fester Bestandteil des Winterdienst-Teams.

Der Betrieb
Betriebsführer: Dominik Trenda, Mitterbach 18, 4264 Grünbach bei Freistadt
Betriebsfläche: 60 ha gesamt (23 ha Ackerbau/37 ha Grünland) Tiere: 130 Rinder (Mastkälber und -ochsen), 200 Puten, 50 Schafe
Bestellungen für die nach biologischen Kriterien gehaltenen Puten nimmt Dominik gerne unter 0664/2522191 entgegen.

Beim Zwischenfruchtanbau auch an Bienen denken! 1024 768 Maschinenring Blog Oberösterreich

Beim Zwischenfruchtanbau auch an Bienen denken!

Gastbeitrag von DI Thomas Wallner, Referatsleiter bei der
Boden.Wasser.Schutz.Beratung (www.bwsb.at).

Die zahlreichen Vorteile von Zwischenfrüchten sind unbestritten. Der Schutz vor Nährstoffausträgen in Grund- und Oberflächengewässer, Erosionsschutz, Verbesserung der Bodenstruktur und Steigerung der Biodiversität oberhalb und unterhalb der Erdoberfläche sind nur eine kleine Auswahl an Fakten, die für den Anbau von Zwischenfrüchten sprechen. Der Begrünungsanbau hat aber auch Einflüsse auf Bienen und führt immer wieder zu Diskussionen zwischen Landwirten und Imkern.

Landwirte sind davon überzeugt, mit üppigen, bis in den Spätherbst blühenden Begrünungskulturen nicht nur für die Augen, sondern auch den Bienen ein tolles Umfeld zu bieten. Manche Imker sehen blühende Zwischenfruchtbestände mit z.B. Senf, Phacelia und Ölrettich als Gefahr für ihre Winterbienen.

Für die Honigbiene sind blühende Zwischenfrüchte im Sommer durchaus positiv. Die Blütezeit vieler Kulturen ist vorüber und die Bienen finden nicht mehr viele Pflanzen mit hochwertigem Nektar und Pollen. Begrünungen bieten in dieser Zeit der Trachtlücke eine sehr willkommene Nahrungsquelle. Nach dem Sommer sieht der natürliche Jahreszyklus der Bienen vor, dass sie sich auf den Winter vorbereiten. Blühende Kulturen im Herbst sind nichts Natürliches und können die Bienen aus dem Rhythmus bringen. Später blühende Kulturen, vor allem bei sehr warmen Herbsttagen, führen zu starkem Bienenflug und großer Sammelaktivität. Neben qualitativen Problemen des eingelagerten Futters können Stress, abgearbeitete Bienen und vermehrter Druck durch die Varroamilbe das Bienenvolk schwächen. Wenn die Temperaturen sinken und werden die Zwischenfruchtbestände mit starker Trachtwirkung beflogen, so kann es sein, dass die Bienen auf Grund der tiefen Temperaturen Schaden nehmen. Allerdings nutzen auch manche Imker die zusätzlichen Honigmengen für eine weitere Honigernte.

Bienenfreundlicher Zwischenfruchtanbau

Unter „bienenfreundlichem Begrünungsanbau“ versteht man den Anbau von Zwischenfrüchten, die keine Massentrachten im Spätherbst mehr bilden. Eine Vollblüte der Bestände sollte entweder vermieden werden oder Ende September abgeschlossen sein. Das gilt insbesondere für Gelbsenf, Phacelia, Ölrettich und Buchweizen, die bei einem Anbau bis Mitte August in den letzten Jahren durch die milde Herbstwitterung sehr spät noch in Blüte gingen. Es geht darum intensive blühende Zwischenfruchtbestände zu vermeiden – wenige blühende Pflanzen in den Mischungen stellen kein Problem dar.

Alternativ können die intensiv blühenden Kreuzblütlerarten auch mit schwach oder nicht blühenden Kulturen wie Sareptasenf (Sorte Vitasso), Abessinischer Kohl und Meliorationsrettich ersetzt werden.

Durch gut abgestimmte Mischungen mit optimalen Anbauzeitpunkt lassen sich stark blühende Zwischenfruchtbestände im Herbst vermeiden (BWSB/Wallner).

Bei einem frühen Begrünungsanbau nach der Wintergerste gehen die raschwüchsigen Arten, wie Buchweizen und Gelbsenf, noch im September in die Blüte und werden dadurch von den Bienen noch intensiv beflogen. Nachteil ist, dass diese Arten auch in Samenreife gelangen und in nachfolgenden Kulturen Probleme verursachen können. Die Sinnhaftigkeit einer Zerkleinerung mit Mulcher oder anderen Geräten sollte gründlich überlegt werden. Nachteile, wie vermehrter Unkrautdruck, Bodenverdichtung, Treibstoff-Kosten, ÖPUL-Vorgaben sowie geringere Bodenbedeckung bei Mulchsaat im Frühjahr, sind zu berücksichtigen.

Auch im neuen ÖPUL ab 2023 wird der Zwischenfruchtanbau wieder eine bedeutende Rolle spielen. Der Schwerpunkt wird dabei auf artenreiche, vielfältige Mischungen liegen. Dabei soll auch an die Bienen gedacht werden. Ziel soll sein, dass diese Mischungen nicht im Herbst dem Pflug zum Opfer fallen („Tag des Pfluges“), sondern über den Winter stehen bleiben, damit die vorweg angesprochenen Vorteile bis ins Frühjahr anhalten.

Fazit

Der Klimawandel und die extreme Zunahme von Starkregenereignissen wird früher oder später auch „Zwischenfruchtzweifler“ davon überzeugen, dass es zukünftig keine Alternativen zum Zwischenfruchtanbau mehr geben wird. Klar ist – nur ein qualitativ hochwertiger Zwischenfruchtanbau kann die Basis für den Ackerbau der Zukunft sein. Damit qualitativ hochwertige Zwischenfrüchte in der Praxis gelingen braucht es optimales Saatgut, gut miteinander abgestimmte Mischungspartner, ausreichende Saatstärken und vor allem einen richtig abgestimmten Anbauzeitpunkt.

Es ist unbestritten, dass Zwischenfrüchte ungemein viel für unsere Böden und für die gesamte Gesellschaft leisten. Alle Ziele zu erreichen, erscheint schwierig, aber es ist möglich, die positiven Effekte der Zwischenfrüchte in vielen Bereichen – auch bei den Bienen –  zu nutzen.

Bild 2: Blühende Zwischenfrüchte bereichernd das Landschaftsbild und sind eine wichtige Nahrungsquelle für die Bienen, sofern sie nicht im Spätherbst zu intensiv blühen! (BWSB/Wallner).

Weitere Informationen bei der Boden.Wasser.Schutz.Beratung unter www.bwsb.at oder telefonisch 050 6902-1426.

Jungbauer Philipp macht den Hof 800 533 Maschinenring Blog Oberösterreich

Jungbauer Philipp macht den Hof

Nicht der Hoferbe und doch der Hofübernehmer: Philipp Leitenmüller kam als Betriebshelfer des Maschinenring auf den Hof von Familie Rein. Heute werkt er auf dem Bauernhof mit angeschlossener Käserei nahe Lembach im Mühlviertel als künftiger Bauer. Von Renate Reischütz // Fotos: Alexandra Grill // MR Granitland

Es waren sicher an die 30 Betriebe, wo ich bereits ausgeholfen habe“, erklärt Philipp Leitenmüller lachend. „Inzwischen bin ich hauptsächlich am Hof bei Josef und Helga, betreue aber noch andere Betriebe mit, wenn irgendwo kurzfristig Not am Mann ist.“ Philipp ist ein Quereinsteiger. Er hat die Lehre als Tischlereitechniker mit Schwerpunkt Produktion abgeschlossen und dann aus Neigung eine Ausbildung zur Wirtschafts- und Agrar Fachkraft beim Maschinenring Rohrbach absolviert. Josef und Helga Rein haben vier Kinder. Doch keines fühlte sich so richtig zur Landwirtschaft berufen. Sohn Clemens, der den Hof übernehmen sollte, und Philipp Leitenmüller kennen sich, seit sie gemeinsam die Tischlerlehre gemacht haben. Als Philipp 2019 zuerst „schnuppern“ und später als fixe Arbeitskraft auf den Hof kam, meinte Clemens zu seinen Eltern: „Der Philipp wäre der ideale Hofübernehmer.“

Nahm sein Schicksal selbst in die Hand: Der gelernte Tischlereitechniker machte die WAF-Ausbildung und fand sein berufliches Glück als Betriebshelfer.

Gemeinsam arbeiten und leben

Über die Jahre ist man am Hof zusammengewachsen. Philipp lebt mit Leib und Seele für die Landwirtschaft. Er ist mit Freundin Stefanie auf den Hof, der sich der Milchviehwirtschaft verschrieben hat, übersiedelt. Helga Rein ist inzwischen in Pension, ihr Mann Josef möchte sich in den nächsten Jahren zur Ruhe setzen. Philipp soll dann den Hof weiterführen. Er arbeitet derzeit halbtags beim MR als Betriebshelfer, im Winterdienst und die restliche Zeit am Hof. Berta Eckerstorfer, Agrar-/Mitgliederbetreuerin im Maschinenring Granitland, vermittelt Philipp zu den Betriebshilfeeinsätzen und lobt ihren Schützling: „Was ihn auszeichnet, sind die guten Umgangsformen mit Tier und Mensch. Es sind doch oft schwierige Situationen bei einem Betriebshilfeeinsatz, auch menschlich gesehen. Philipp meistert sie immer gut.“

Solide Ausbildung beim MR

„Die Ausbildung zur Wirtschafts- und Agrar Fachkraft hat mir beruflich sehr weitergeholfen“,  meint Philipp. „Nur sollte man diese fast vor einer Lehre machen können. Man lernt so viele verschiedene Berufszweige kennen und kann sich so orientieren, was man später machen möchte. Auch die Persönlichkeitsentwicklung im Kurs ist gut und wichtig.“ Richtig getaugt hat ihm die Forstausbildung im Waldcampus Traunkirchen. In der kalten Jahreszeit drückte Philipp die Schulbank, im Sommer war er auf Praxiseinsatz beim MR. Neben Servicebaustellen waren Rasenneubaustellen waren Rasenneuanlagen ein großes Thema, weil die Engerlinge damals alles kahl gefressen haben. Philipp wusste bald, dass seine Liebe dem Agrarbereich gehört. „Mich zeichnet die Liebe zu den Tieren und der Natur aus“, erzählt der Junglandwirt. „Und Stallarbeit macht mir einfach Freude.“ Inzwischen hat er sein Wissen mit der Prüfung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter erweitert, einen Besamungskurs und einen Kurs für Klauenpflege absolviert.

Philipp wollte schon als Kind Landwirt werden.

Käse ist nicht gleich Käse

Am Hof erlernt Philipp Leitenmüller auch die Produktion und die Pflege von Käse. Im hauseigenen Hofladen werden Bergkäse, Schnittkäse und Weichkäse, Topfen und Butter aus eigener Produktion angeboten. „Wir produzieren sieben bis zehn Tage pro Monat mit nicht pasteurisierter Bio-Heumilch unserer Kühe“, erklärt Philipp. Käse sei „eine eigene Wissenschaft“. „Man gibt der Milch Milchsäurebakterien bei und Lab, damit die Milch gerinnt. Anschließend schneidet man den Bruch und schöpft diesen in große Formen. Der Käse wird unter Molke geknetet. Er wird in den Käsereifen gepresst und dem Reifeprozess zugeführt.“ Ein Käselaib kann 15 bis 18 Kilogramm schwer sein. Ein Drittel der Milch vom Hof wird verkäst, die restliche Milch an die Bergland Molkerei für ein Heumilchprojekt geliefert. Familie Rein verkauft im eigenen Laden, aber auch an einen Food- Cop-Laden, Wirtshäuser, Jausenstationen oder die „Bauernecke“ im Lagerhaus. „Josef hat mir alles beigebracht, er ist der absolute Profi“, lobt Philipp seinen Lehrherrn. Medaillen und Auszeichnungen wie das „Kasermandl“ der Messe Wieselburg liefern den Beweis.

In der Kunst der Käseherstellung wurde Philipp vom Altbauern selbst unterwiesen.

Futterqualität als wichtige Grundlage

„Unser Heu bleibt nicht länger als zwei Tage nach dem Schnitt auf der Wiese liegen“, erklärt Philipp. „Dadurch erhält es die Nährstoffe.“ Kühe sind bekanntlich auch Feinschmecker. Von April bis Oktober schmausen sie auf der Weide. Zwei Heulüfter sorgen für ausreichend Sauerstoff in den drei großen Heuboxen, in denen das Winterfutter gelagert und mittels Heukran entnommen wird. „Wir haben keine Ackerflächen, sondern Grünlandbewirtschaftung mit entsprechend freien Flächen zur Heumahd“, so Philipp. „Die Außenwirtschaft habe ich zum größten Teil übernommen, auch die Stallarbeit mache ich gerne.“ Seine Freundin Stefanie ist Probemelkerin beim LKV, der Milchleistungsprüfung, und hilft zeitweise mit.

Traumberuf Landwirt

Philipp wollte schon als Kind Landwirt werden. Natürlich gibt es Herausforderungen für die Zukunft. „Grundsätzlich soll der Hof in seiner Struktur so bleiben. Das Auszugshaus möchten wir gerne etwas ausbauen, die Gebäude in Schuss halten. Durch den generellen Wandel der Landwirtschaft muss man am Drücker bleiben“, meint er. „Wichtig ist uns die Produktion guter Lebensmittel und, dass es den Tieren gut geht. Man muss mit Umwelt und Ressourcen sehr sorgsam umgehen.“ Im vergangenen Winter war er in Lembach im Winterdienst unterwegs. Das bringt guten Zuverdienst in der kalten Jahreszeit. Philipp ist aber auch gerne unter Leuten, bei der Landjugend und der Freiwilligen Feuerwehr. Nach getaner Arbeit freut er sich auf einen gemütlichen Abend mit Freundin Stefanie in der schön adaptierten Wohnung auf dem Hof, der bald seiner sein wird.

Warum Zwischenfrucht anbauen? 800 600 Maschinenring Blog Oberösterreich

Warum Zwischenfrucht anbauen?

Die Zeit für die Aussaat von Winterzwischenfrüchten ist gut investiert. Wertvoll für Boden und Lebewesen, bringt die Aussaat einer Zwischenfrucht gute Entwicklung der Bestände mit sich und wirkt unkrautunterdrückend.

Wann wird die Winterzwischenfrucht gesät?

Durch die Aussaat von Winterzwischenfrüchten nutzen wir die sehr wertvolle vegetative Zeit zwischen August und Oktober.

Warum Zwischenfrüchte?

Es ist immer wieder beeindruckend, welche Bestände sich in dieser kurzen Zeit entwickeln. Neben dem Aufwuchs (Spross) entsteht eine gewaltige Menge an Wurzelmasse im Boden. Spross und Wurzel zusammen, können bis zu 5 Tonnen verfügbarer Trockenmasse sein. So ist ausreichend Futter für unsere Bodenlebewesen vorhanden. Jüngste Untersuchungen ergaben, dass je nach Art der Begrünung bis zu 1,3 Tonnen Regenwürmer im Boden sind. Weiters zeigt sich, dass Böden auf denen schon lange Zwischenfrüchte angebaut werden, wesentlich mehr Bodenlebewesen in sich haben. Diese sind ein wesentlicher Faktor, wenn es um die Verfügbarkeit von organisch gebundenen Nährstoffen geht. Winterzwischenfrüchte nehmen Hauptnährstoffe Stickstoff N, Phosphor und Kali sehr gut auf. Die aufgenommenen Nährstoffe stehen dann im Frühjahr dem Mais, der Rübe oder anderen im Frühjahr anzubauenden Kulturen zur Verfügung.

Die Phosphoraufnahme von Ölrettich kann im Herbst bis zu 35 kg P, bei Phacelia bis zu 25 kg gehen. Es ist daher immer wichtig, dass mehrere verschiedene Arten in einer Mischung angebaut werden. Bei den derzeit hohen Düngepreisen, können Zwischenfrüchte helfen, die Düngekosten zu reduzieren.

Welche Zwischenfrucht ist die richtige?

  • Die richtige Auswahl der Zwischenfrucht hängt von der Folgekultur ab
  • Je nach dem, was die Zwischenfrucht vorwiegend erfüllen sollte, wähle ich die richtige Mischung dafür aus.
  • Die „MR Erosionsschutz“, erzielt bei einer zeitigen Aussaat bis zum 20. August einen gewaltige Aufwuchsmenge, die dann im Frühjahr bei einer flachen Einarbeitung einen sehr guten Schutz gegen Abschwemmungen bietet.
  • Die „MR Abfrost“, ist die ideale Lösung für Sommerkulturen wie Rübe, welche im Frühjahr zeitig angebaut werden sollen.
  • Die „MR Optional“, ist der Allrounder im Maisanbau, wichtig dabei ist, dass die Aussaat noch in der ersten August Hälfte erfolgt.
  • Die „MR Buchweizenfrei“, erfreut sich immer mehr im mulchenden Sojaanbau.
  • Für Futternutzungen stehen ebenfalls zwei ertragsstabile Mischungen zur Verfügung.

Was noch für den Anbau von Winterzwischenfrüchten spricht

Gerade heuer konnten sich Begrünungen welche früher und dichter angebaut wurden, besser entwickeln und dadurch die Vorteile besser erreichen.

Da Mulchen bzw. Walzen der Begrünungen im Herbst hat keine nennenswerten Vorteile und birgt eher die Gefahr, dass sich unterstehendes Ausfallgetreide wieder entwickeln kann. Weiters werden durch das Befahren der Flächen im Herbst oft starke Fahrspuren verursacht. Diese sind dann im Frühjahr oft ein Problem bei der Saatbettbereitung, da diese Spuren oft noch sehr feucht sind.

Wer im Herbst seine Begrünung einpflügt, verzichtet auf wesentliche Vorteile des Systems der Bodenbedeckung über den Winter. Die so oft zitierte „Frostgare“ birgt extreme Gefahr zur Verschlämmung der Felder im Frühjahr bzw. der Gefahr des Bodenabtrags durch Wind.

Weiters findet in den kühlen Wintermonaten keine Umsetzung der eingepflügten Biomasse statt. Dies führt oft dazu, dass diese modrig wird und oft noch nach Monaten im Zuge einer weiteren Bodenbearbeitung wieder an die Oberfläche kommt. Die Belastung mit diversen Sporen welche Blattkrankheiten auslösen, ist dabei oft sehr hoch. Weiters stehen den Folgekulturen die in der Zwischenfruchtmasse aufgenommenen Nährstoffe nicht im vollen Umfang zur Verfügung.

Die Vorteile von Winterzwischenfrüchten überwiegen bei weitem, sollte es einmal nicht so funktioniert haben, so sollte nicht gleich wieder aufgegeben werden. Vielmehr stehen ausreichend Agrarbetreuer mit Erfahrung im Maschinering zur Verfügung.

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