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Beim Zwischenfruchtanbau auch an Bienen denken!

Beim Zwischenfruchtanbau auch an Bienen denken!

Beim Zwischenfruchtanbau auch an Bienen denken! 1024 768 Maschinenring Blog Oberösterreich

Gastbeitrag von DI Thomas Wallner, Referatsleiter bei der
Boden.Wasser.Schutz.Beratung (www.bwsb.at).

Die zahlreichen Vorteile von Zwischenfrüchten sind unbestritten. Der Schutz vor Nährstoffausträgen in Grund- und Oberflächengewässer, Erosionsschutz, Verbesserung der Bodenstruktur und Steigerung der Biodiversität oberhalb und unterhalb der Erdoberfläche sind nur eine kleine Auswahl an Fakten, die für den Anbau von Zwischenfrüchten sprechen. Der Begrünungsanbau hat aber auch Einflüsse auf Bienen und führt immer wieder zu Diskussionen zwischen Landwirten und Imkern.

Landwirte sind davon überzeugt, mit üppigen, bis in den Spätherbst blühenden Begrünungskulturen nicht nur für die Augen, sondern auch den Bienen ein tolles Umfeld zu bieten. Manche Imker sehen blühende Zwischenfruchtbestände mit z.B. Senf, Phacelia und Ölrettich als Gefahr für ihre Winterbienen.

Für die Honigbiene sind blühende Zwischenfrüchte im Sommer durchaus positiv. Die Blütezeit vieler Kulturen ist vorüber und die Bienen finden nicht mehr viele Pflanzen mit hochwertigem Nektar und Pollen. Begrünungen bieten in dieser Zeit der Trachtlücke eine sehr willkommene Nahrungsquelle. Nach dem Sommer sieht der natürliche Jahreszyklus der Bienen vor, dass sie sich auf den Winter vorbereiten. Blühende Kulturen im Herbst sind nichts Natürliches und können die Bienen aus dem Rhythmus bringen. Später blühende Kulturen, vor allem bei sehr warmen Herbsttagen, führen zu starkem Bienenflug und großer Sammelaktivität. Neben qualitativen Problemen des eingelagerten Futters können Stress, abgearbeitete Bienen und vermehrter Druck durch die Varroamilbe das Bienenvolk schwächen. Wenn die Temperaturen sinken und werden die Zwischenfruchtbestände mit starker Trachtwirkung beflogen, so kann es sein, dass die Bienen auf Grund der tiefen Temperaturen Schaden nehmen. Allerdings nutzen auch manche Imker die zusätzlichen Honigmengen für eine weitere Honigernte.

Bienenfreundlicher Zwischenfruchtanbau

Unter „bienenfreundlichem Begrünungsanbau“ versteht man den Anbau von Zwischenfrüchten, die keine Massentrachten im Spätherbst mehr bilden. Eine Vollblüte der Bestände sollte entweder vermieden werden oder Ende September abgeschlossen sein. Das gilt insbesondere für Gelbsenf, Phacelia, Ölrettich und Buchweizen, die bei einem Anbau bis Mitte August in den letzten Jahren durch die milde Herbstwitterung sehr spät noch in Blüte gingen. Es geht darum intensive blühende Zwischenfruchtbestände zu vermeiden – wenige blühende Pflanzen in den Mischungen stellen kein Problem dar.

Alternativ können die intensiv blühenden Kreuzblütlerarten auch mit schwach oder nicht blühenden Kulturen wie Sareptasenf (Sorte Vitasso), Abessinischer Kohl und Meliorationsrettich ersetzt werden.

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Durch gut abgestimmte Mischungen mit optimalen Anbauzeitpunkt lassen sich stark blühende Zwischenfruchtbestände im Herbst vermeiden (BWSB/Wallner).

Bei einem frühen Begrünungsanbau nach der Wintergerste gehen die raschwüchsigen Arten, wie Buchweizen und Gelbsenf, noch im September in die Blüte und werden dadurch von den Bienen noch intensiv beflogen. Nachteil ist, dass diese Arten auch in Samenreife gelangen und in nachfolgenden Kulturen Probleme verursachen können. Die Sinnhaftigkeit einer Zerkleinerung mit Mulcher oder anderen Geräten sollte gründlich überlegt werden. Nachteile, wie vermehrter Unkrautdruck, Bodenverdichtung, Treibstoff-Kosten, ÖPUL-Vorgaben sowie geringere Bodenbedeckung bei Mulchsaat im Frühjahr, sind zu berücksichtigen.

Auch im neuen ÖPUL ab 2023 wird der Zwischenfruchtanbau wieder eine bedeutende Rolle spielen. Der Schwerpunkt wird dabei auf artenreiche, vielfältige Mischungen liegen. Dabei soll auch an die Bienen gedacht werden. Ziel soll sein, dass diese Mischungen nicht im Herbst dem Pflug zum Opfer fallen („Tag des Pfluges“), sondern über den Winter stehen bleiben, damit die vorweg angesprochenen Vorteile bis ins Frühjahr anhalten.

Fazit

Der Klimawandel und die extreme Zunahme von Starkregenereignissen wird früher oder später auch „Zwischenfruchtzweifler“ davon überzeugen, dass es zukünftig keine Alternativen zum Zwischenfruchtanbau mehr geben wird. Klar ist – nur ein qualitativ hochwertiger Zwischenfruchtanbau kann die Basis für den Ackerbau der Zukunft sein. Damit qualitativ hochwertige Zwischenfrüchte in der Praxis gelingen braucht es optimales Saatgut, gut miteinander abgestimmte Mischungspartner, ausreichende Saatstärken und vor allem einen richtig abgestimmten Anbauzeitpunkt.

Es ist unbestritten, dass Zwischenfrüchte ungemein viel für unsere Böden und für die gesamte Gesellschaft leisten. Alle Ziele zu erreichen, erscheint schwierig, aber es ist möglich, die positiven Effekte der Zwischenfrüchte in vielen Bereichen – auch bei den Bienen –  zu nutzen.

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Bild 2: Blühende Zwischenfrüchte bereichernd das Landschaftsbild und sind eine wichtige Nahrungsquelle für die Bienen, sofern sie nicht im Spätherbst zu intensiv blühen! (BWSB/Wallner).

Weitere Informationen bei der Boden.Wasser.Schutz.Beratung unter www.bwsb.at oder telefonisch 050 6902-1426.

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