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Am Hof von Gerhard Rieß

Am Hof von Gerhard Rieß

Am Hof von Gerhard Rieß 720 480 Maschinenring Blog Oberösterreich

» Die Herausforderung für uns in der Zukunft: weiterhin hochwertige Lebensmittel zu produzieren, gleichzeitig aber den Wünschen der Gesellschaft Rechnung zu tragen. Manchmal ein Widerspruch, den es aufzulösen gilt. In diesem Spannungsfeld kann der Maschinenring als Idee und mit seinen Möglichkeiten die Lösung sein. «

Gerhard Rieß (Landesobmann Maschinenring OÖ,  Vorstandsvorsitzender Maschinenring Personal und Service und Vollerwerbslandwirt)

Das Erste, das man hört, wenn man aus dem Auto steigt, ist lautes Muhen. Es klingt beinahe wie eine Alarmsirene und kommt aus dem Stall, der gleich neben dem Wohnhaus steht. „Das ist unser Burli, einer der Jungstiere. Er glaubt, er ist der Wachhund und meldet alle Besucher. Manchmal sogar schneller als Charly, der Hofhund. Offenbar hört er auch besser.“, heißt man uns lachend willkommen. Wir sind am Hof von Gerhard und Martina Rieß in Mattighofen. Der 70 Hektar große Betrieb, den die beiden in sechster Generation führen, ist spezialisiert auf Stiermast mit 180 Mastplätzen. Gerhard produziert hier hochwertigstes AMA-Gütesiegel-Rindfleisch.

Dazu kommt die Direktvermarktung, mit 300 Legehennen. Natürlich aus Freilandhaltung. Die glücklichen Hühner leben in drei Gruppen und können sich jederzeit in einen der geräumigen Ställe zurückziehen. Ein Hühnerparadies! Im Vorbau des Wohnhauses wurde ein kleiner Hofladen mit Kühlschrank für die Produkte integriert: Kunden holen sich hier in Selbstbedienung Marmelade, Eier, Fleisch und andere Köstlichkeiten und hinterlassen das Geld in der Kasse. Ein System, das perfekt funktioniert. „Inzwischen haben wir viele Stammkunden, die gezielt bestimmte Produkte bei uns kaufen“, ist Martina stolz. Sie ist gemeinsam mit Gerhards Mutter Juliana für die vielen Marmeladenkreationen verantwortlich.

Achtsamkeit und Nachhaltigkeit als Konzept

Dass hier hochwertig produziert wird, merkt man sofort. Perfekte Fleischqualität kommt nur von glücklichen Tieren. Gerhard Rieß ist überzeugt: „Nur wer mit der Natur zusammenarbeitet, wird auch langfristig erfolgreich sein. Ich kann niemanden zwingen zu wachsen, ich kann nur alle Voraussetzungen schaffen und hoffen, dass auch die Natur dann noch mitspielt.“, sagt er. Eine Philosophie, die man in diesem Betrieb schon immer hatte. Das Leben mit der Natur, die Achtsamkeit und Nachhaltigkeit im Umgang mit Tieren und Ressourcen. Auch der Stall wurde diesem Standard angepasst: hohe Decke, viel Luftraum für gute Luftzirkulation. Die jungen Stiere leben gemeinsam in den luftigen Boxen. Sie stehen und liegen auf weichen Matten, die extra konzipiert wurden, um die Beschaffenheit einer Weide nachzuempfinden. Eine Haltung auf hartem Boden kam für Gerhard nicht in Frage. Dass die Tiere sich wohlfühlen, war ihm besonders wichtig. „Bei der Arbeit mit Tieren und Pflanzen kann der Mensch ausnahmsweise mal keine Befehle erteilen“, meint er. „Ich kann nur die besten Rahmenbedingungen schaffen. Dieses Konzept danken uns die Tiere mit Gesundheit, Vitalität und gutem, solidem Wachstum. Seit eineinhalb Jahren haben wir dieses Gebäude jetzt in Betrieb, und man merkt einen großen Unterschied“, erzählt er.

Boden ist seine wahre Leidenschaft

Er nennt den Pflanzenbau sein Steckenpferd. Gerhard ist inzwischen zertifizierter Bodenpraktiker, hat für seine Leidenschaft eine Zusatzausbildung über LFI und Bio Austria abgeschlossen. Daraus entstanden: der Bodenkoffer, entwickelt von Praktikern für Praktiker. In zehn einfachen Schritten ist damit die Bodenbeurteilung des eigenen Grundstücks möglich. Alles wird einfach erklärt und ist leicht verständlich dargestellt. „Als Ackerbauer muss man wissen, was in seinem Boden passiert und wie dieser aktuell beschaffen ist. Auch um notfalls mit ganz einfachen Maßnahmen gegenarbeiten oder verstärken zu können. Dieses Projekt entstand nach langer Überlegung in Kooperation mit der Bezirksbauernkammer, der Leader-Region Oberinnviertel-Mattigtal, der Landwirtschaftlichen Berufs- und Fachschule Burgkirchen und natürlich den örtlichen Maschinenringen.“, erzählt er uns. Über die Leader-Region wurde das Projekt gefördert und inzwischen hat jede Ortsbauernschaft einen eigenen Koffer zur Verfügung.  „Dieses Gefühl, am Abend, wenn ich aus der Stadt von Sitzungen heimkomme, noch einmal über meine Felder zu gehen, das lüftet den Kopf aus“, sagt er.  Die Pflanzen, die dort wachsen, sind die Futtergrundlage für seine Tiere, und wenn am Feld alles passt, können auch die sich perfekt entwickeln. „Das ist die berühmte Kreislaufwirtschaft, die es seit Ewigkeiten gibt und Vielen nur leider verloren gegangen ist. Wer aber wirklich nachhaltig arbeiten möchte, muss darauf achten, dass dieser Kreislauf intakt ist“, so der Vollblutlandwirt.

Die Idee Maschinenring

Natürlich spielt der Maschinenring auf dem Hof von Gerhard Rieß eine große Rolle, nicht nur weil er Vorstandsvorsitzender der MRPS (Maschinenring Personal und Service eGen) ist. Ein Betrieb dieser Größe könnte, so sagt er, in der heutigen Zeit ohne die Idee Maschinenring gar nicht mehr funktionieren. Schon allein die Maschinenkosten wären unrentabel. Gemeinsame Nutzung von Maschinen, wie Mähdrescher oder Rundballenpresse, ist heute selbstverständlich. Nur Spezialgeräte, wie beispielsweise ein neuer Leichtgrubber, und alltägliche Gebrauchsgeräte sind direkt am Hof. „Der Maschinenring ist das ganze Jahr präsent, nicht nur weil ich an Sitzungen teilnehme.“, schmunzelt Gerhard. „Inzwischen habe ich sogar selbst alle Bereiche durch, im Winterdienst habe ich ganze 15 Jahre gearbeitet. Das gehört einfach dazu, weil der Betrieb heute vielteilig sein muss, um nachhaltig zu wirtschaften.“

Das Team

Auf die Frage, wie sich der Vorstandsposten mit dem Vollerwerbsbetrieb vereinbaren lässt, lacht er. Nur unter Mithilfe des gesamten Teams! Damit meint er seine Familie: Ehefrau Martina, seine Mutter Juliana (76), die ihre Kinder, wo sie kann, unterstützt, und seine zwei Söhne, auf die er wahnsinnig stolz ist und von denen hoffentlich einer auch den Hof übernehmen will. Beide haben als HBLA-Ursprungs-Absolventen die besten Voraussetzungen dafür. Derzeit studiert Johannes (23) nach einem Abschluss der Pflegeassistentenausbildung noch Soziale Arbeit, Thomas (21) Lebensmitteltechnologie. Außerdem ist da natürlich auch noch Border-Collie-Labrador-Mischling Charly.

Was die Zukunft bringt

Das Ziel ist es, dass sämtliche Futtermittel selbst produziert werden. Auch das Eiweiß, das derzeit noch zugekauft wird. Mit Sojabohnen hat Gerhard schon begonnen, doch die waren qualitativ so hochwertig, dass sie sofort für die Speiseproduktion angefragt wurden. Ein Luxusproblem.

Nähere Infos zur Maschinenring Arbeitswelt finden Sie hier!

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